Magisches Denken im Alltag

Miranda_L
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Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von Miranda_L »

Yorge hat geschrieben: Sa 2. Mär 2019, 20:32 Mir ist aufgefallen, dass bei dem was du gerne machen möchtest (Programmieren, Grafiken erstellen), dass es da einerseits um Techniken geht, die sicherlich ganz exakt stimmen müssen - klar, weil sonst wird ja das Programm nicht laufen - andererseits bräuchte es dazu auch Kreativität, die du dir im Moment scheinbar nur sehr beschränkt erlaubst, ansonsten kommt ja auch nichts besonderes zum Vorschein.
Es ist nicht nur ein Klischee, dass gerade Programmierer und ähnliche Berufsgruppen zwanghaftes Verhalten aufweisen. Das hat für den Job nicht nur etwas Negatives.
Ich lehne mich mal weit aus dem Fehster und behaupte einfach, dass die meisten Zwangskranken während ihres Lebens Bekanntschaft mit vielen Arten von Zwangsverhalten gemacht haben. Oft sogar in einer Art und Weise, die sie selbst nie als Zwangsverhalten erkannt haben.
Dazu gehört beispielsweise auch, gewisse Ansprüche an sich zu setzen und dafür sorgen zu wollen, dass das Programm das man schreibt bestimmten Vorgaben entspricht. Dass Coding-Conventions 100%ig eingehalten werden und dass Dinge, die man in der Ausbildung als "Unsaubere Programmierung" kennengelernt hat unbedingt vermieden werden sollen, selbst dann, wenn man dadurch erstmal viel schneller zu einem Ergebnis kommen würde.

Da all diese "Quick and Dirty" Lösungen aber die Eigenheit haben, einem früher oder später sehr schmerzhaft auf die Füße zu fallen, hat der Zwängler den Vorteil, in dieses Problem später weniger zu laufen.
Verbreitet unter Programmierern ist auch der Wunsch "a beautyful piece of code" zu schreiben anstatt einfach nur eine Aufgabe zu erledigen.

tzak, ich weiss nicht genau ob du den Begriff "Flow" kennst.
Das bedeutet, dass man nach einer gewissen Zeit des konzentrierten Arbeitens oder auch Spielens in einen Zustand kommt, der einer Meditation gleichkommt. Es geht alles leichter von der Hand, man ist in einem Modus, in dem nur noch die Aufgabe und man selber präsent sind und alles drum herum ausgeblendet wird. Das Erlebnis des Arbeitens wird als extrem positiv und entspannend empfunden.
Zu den Dingen, die in diesem Zustand ausgeblendet werden, gehören auch Zwangsgedanken.
Vielleicht ist es für dich hilfreich, öfter in diesen Zustand zu kommen und dadurch die eigene Kreativität wieder viel positiver zu erleben.
Gerade im kreativen Bereich und im Bereich Programmierung gibt es regelrechte "Flow Junkies".
Um in den Flow zu kommen ist es vor allem wichtig, für eine längere Zeit ungestört zu sein. Also auch kein Telefon oder andere Arten der Kommunikation zwischendurch.

Liebe Grüße
Miranda
tzak
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Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von tzak »

Miranda_L hat geschrieben: So 3. Mär 2019, 13:37 Dazu gehört beispielsweise auch, gewisse Ansprüche an sich zu setzen und dafür sorgen zu wollen, dass das Programm das man schreibt bestimmten Vorgaben entspricht. Dass Coding-Conventions 100%ig eingehalten werden und dass Dinge, die man in der Ausbildung als "Unsaubere Programmierung" kennengelernt hat unbedingt vermieden werden sollen, selbst dann, wenn man dadurch erstmal viel schneller zu einem Ergebnis kommen würde.

Da all diese "Quick and Dirty" Lösungen aber die Eigenheit haben, einem früher oder später sehr schmerzhaft auf die Füße zu fallen, hat der Zwängler den Vorteil, in dieses Problem später weniger zu laufen.
Verbreitet unter Programmierern ist auch der Wunsch "a beautyful piece of code" zu schreiben anstatt einfach nur eine Aufgabe zu erledigen.
Bei mir geht es in eine ähnliche Richtung. Man möchte seinen Code anders strukturieren, aber das magische Denken lässt es erstmal nicht zu und redet es schlecht, sobald man die Idee dafür hatte. Gerade Dinge, die man in Gedanken plant, haben es schwer. Aber dazu kommen auch andere Dinge im Alltag, wie der Haushalt .. sauber machen kann manchmal eine Qual sein. Auch wenn man Stellen gereinigt hat, kommt der Gedanke, dass man es vielleicht doch nicht richtig gemacht hat und man sollte diese Stelle korrekt sauber machen, bevor man wieder programmiert/zeichnet. Vielleicht bin ich da auch ein Exot unter den Zwänglern .. keine Ahnung :)
Miranda_L hat geschrieben: So 3. Mär 2019, 13:37 tzak, ich weiss nicht genau ob du den Begriff "Flow" kennst.
Das bedeutet, dass man nach einer gewissen Zeit des konzentrierten Arbeitens oder auch Spielens in einen Zustand kommt, der einer Meditation gleichkommt. Es geht alles leichter von der Hand, man ist in einem Modus, in dem nur noch die Aufgabe und man selber präsent sind und alles drum herum ausgeblendet wird. Das Erlebnis des Arbeitens wird als extrem positiv und entspannend empfunden.
Zu den Dingen, die in diesem Zustand ausgeblendet werden, gehören auch Zwangsgedanken.
Vielleicht ist es für dich hilfreich, öfter in diesen Zustand zu kommen und dadurch die eigene Kreativität wieder viel positiver zu erleben.
Gerade im kreativen Bereich und im Bereich Programmierung gibt es regelrechte "Flow Junkies".
Um in den Flow zu kommen ist es vor allem wichtig, für eine längere Zeit ungestört zu sein. Also auch kein Telefon oder andere Arten der Kommunikation zwischendurch.

Liebe Grüße
Miranda
Kenne ich und genieße ich immer wieder, wenn man den Zwang überwunden hat und man das Ganze tatsächlich für einen Zeitpunkt "vergisst" und Musik hilft mir da sehr. Generell glaube ich hat vieles mit Perfektion zu tun.
Miranda_L
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Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von Miranda_L »

tzak hat geschrieben: So 3. Mär 2019, 14:34 Auch wenn man Stellen gereinigt hat, kommt der Gedanke, dass man es vielleicht doch nicht richtig gemacht hat und man sollte diese Stelle korrekt sauber machen, bevor man wieder programmiert/zeichnet. Vielleicht bin ich da auch ein Exot unter den Zwänglern .. keine Ahnung :)
Nein bist du nicht ;)
Das fällt alles unter den Begriff "Unvollständigkeitsgefühl".
Es ist ziemlich spannend. Ich habe Jahre lang geglaubt, dass niemand sonst auf so skurrile Ideen kommen kann, wie sie in meinen Zwängen vorkommen. Mittlerweile weiss ich, dass das Gehirn da ziemlich unkreativ ist. Zumindest unkreativ genug, dass auch die bescheuertsten Zwangsannahmen auch schon andere gehabt haben.
Das Gehirn scheint da definierten Pfaden zu folgen wenn es schon falsch abbiegt.
Das hat natürlich den Vorteil, dass es so viel leichter kategorisierbar ist und auch viel besser behandelbar.

Schau dir doch einfach mal die Videos von "Zwänge verstehen & überwinden" an.

Die sind zwar nicht die Spannendsten ;) aber meiner Meinung nach die, aus denen ich am meisten Informationen über Zwänge an sich bekommen habe.
Das Unvollständigkeitsgefühl ist hier auch gut beschrieben.
tzak
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Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von tzak »

Ich habe bereits einige Zwänge hier im Forum gelesen, die ich Eins zu Eins genauso im Alltag habe - z.B die Hand unter dem Wasserhahn halten, obwohl man weiß, dass kein Wasser mehr fließt. Das zeigt mir, wie sehr Zwänge im gleichen Muster ablaufen.

Danke für den YouTube-Link, habe bereits bisschen reingeschaut ;)
tzak
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Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von tzak »

Ich habe nächste Woche endlich mein Erstgespräch und auch wenn es ein Psychotherapeut ist, so habe ich dennoch Probleme mit den Gedanken, dass ich jemand komplett fremdes von meinen Zwängen erzähle. Ein wichtiger Schritt, für den ich Jahre gebraucht habe. Aber dennoch bleibt er komisch :roll:
Miranda_L
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Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von Miranda_L »

Hallo tzak,

Keine Angst. Das ist nicht annähernd so komisch wie man es sich vorstellt.
Ausserdem sind Therapeuten es gewohnt, dass die Patienten anfangs solche Bedenken haben.

Viel Erfolg und herzlichen Glückwunsch zum 1. Schritt in Richtung Freiheit :-)
Tami
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Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von Tami »

Ich kenne das auch und kann dich so gut verstehen
Alpha Centauri
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Registriert: Di 17. Apr 2018, 19:21

Re: Magisches Denken im Alltag

Beitrag von Alpha Centauri »

Guten Morgen!

Zum Thema "Magisches Denken" möchte ich nochmal allen Betroffenen Mut machen, sich entschlossen zu widersetzen und diese Gedanken immer wieder allein der Krankheit zuzuschreiben! Ich habe inzwischen richtig gute Fortschritte in dieser Hinsicht gemacht und kann aus Überzeugung sagen: Diese Gedanken sind totaler Quatsch und nur eine Facette der Zwangserkrankung! Ganz sicher!

Im Prinzip gilt das ja für alle Themen, die die Erkrankung ranschleppt. Vielleicht hilft mir bei diesem ZG-Typ einfach, dass keine rationale Gefahr dahintersteht.

Ignoriert, was die magsichen Gedanken Euch einreden wollen und macht damit das Gegenteil von dem, wozu sie Euch auffordern. Es hilft! Die vermeintlich guten Gefühle, die man sich mit einer Zwangshandlung/ der Neutralisierung eines Zwangsgedanken holt, sind nur Schall und Rauch. Das wirklich gute Gefühl gibt´s dann, wenn man nachhaltig erfolgreich widersteht!

Gruß aus der kosmischen Nachbarschaft!
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