Michael S hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 14:56
Nochmal danke für eure Antworten.
Das mit dem richtigen Maß an Hygiene ist wirklich schwierig.
Ein Alkoholiker darf am Ende keinen Alkohol mehr trinken, aber ein Mensch mit Waschzwang muss natürlich auch weiterhin auf seine Hygiene achten.
Der Therapeut meinte, man müsse auch etwas über die Grenze gehen, bei den Expos. Aber persönlich finde ich so Sachen wie mit dem Kopftuch auch schon grenzwertig.
Mein Problem ist übrigens nicht die Angst vor Krankheiten, sondern ein starker Ekel vor Fäkalien und meine Phantasie sieht die überall...
Glaube, die Expos fielen mir leichter, wenn es die Angst vor Ansteckung wäre, da könnte ich mir sagen, daß der Zwang das größere Risiko für die Gesundheit darstellt. Dieser Ekel ist aber schwer zu fassen und der Hundehaufen wird nicht weniger eklig, selbst wenn ich da rein greifen würde ( hoffentlich kommt der Therapeut nicht auch noch auf diese Idee

)
Genau, das richtige Maß ist schwierig mit einer Zwangserkrankung. Denn: Der Zwang sagt ja einem, wie schlimm alles mögliche wäre. Teilweise haben ja Betroffene gar kein Gefühl mehr, was eigentlich im angemessenen Rahmen ist.
Wichtig ist glaub ich auch der Unterschied zwischen Alltag und Expo. Natürlich wirst du im Alltag duschen, wenn du geschwitzt hast - wenn du sichtbar dreckige Hände hast etc. Aber im Rahmen einer Expo - wie der Therapeut auch meinte - sollte man schon bewusst etwas weiter gehen. Es soll ja genau eben eine Konfrontation mit der Situation sein.
Oder eben mit dem Kopftuch. Natürlich musst du jetzt nicht bei jeder Gelegenheit das Kopftuch auf den Boden werfen und drauftreten und wieder aufsetzen. Aber - im Rahmen einer Expo erscheint mir die Übung sinnvoll.
Wichtig ist da vielleicht auch im Hinterkopf zu behalten: Es geht nicht darum, den Ekel nicht zu erleben. Im Gegenteil, genau den willst du in den Expos ja spüren. Um eben zu erleben, dass er auch da sein darf, ohne dass du mit Zwangshandlungen darauf reagieren musst.
Das ist aber natürlich auch ein Prozess, der vor allem anfangs einschüchtern kann. Hier ist der Weg das Ziel!
Anfangs war ich etwas skeptisch bei deinem Therapeuten - aber scheinbar kennt er sich doch gar nicht so schlecht aus. Wünsche dir jedenfalls, dass du dich drauf einlassen und in der Therapie offen sein kannst. Falls dir eine Übung zu viel erscheint, sprich das an. Dann könnt ihr daran arbeiten, was noch fehlt etc.
Alles Gute dir!