Grandios gescheitert

Michael S
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von Michael S »

Nochmal danke für eure Antworten.
Das mit dem richtigen Maß an Hygiene ist wirklich schwierig.

Ein Alkoholiker darf am Ende keinen Alkohol mehr trinken, aber ein Mensch mit Waschzwang muss natürlich auch weiterhin auf seine Hygiene achten.

Der Therapeut meinte, man müsse auch etwas über die Grenze gehen, bei den Expos. Aber persönlich finde ich so Sachen wie mit dem Kopftuch auch schon grenzwertig.

Mein Problem ist übrigens nicht die Angst vor Krankheiten, sondern ein starker Ekel vor Fäkalien und meine Phantasie sieht die überall...
Glaube, die Expos fielen mir leichter, wenn es die Angst vor Ansteckung wäre, da könnte ich mir sagen, daß der Zwang das größere Risiko für die Gesundheit darstellt. Dieser Ekel ist aber schwer zu fassen und der Hundehaufen wird nicht weniger eklig, selbst wenn ich da rein greifen würde ( hoffentlich kommt der Therapeut nicht auch noch auf diese Idee :o)
Science
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von Science »

Michael S hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 14:56 Das mit dem richtigen Maß an Hygiene ist wirklich schwierig.

Ja, das ist es wohl und ich kann Dir leider auch keine Lösung liefern, die für jede Situation passt.
Wenn man sich ekelt, ist das wohl Stress für das Gehirn, so dass es vielleicht eher auf einfache Heuristiken, sprich Regeln, zurück greift. Differenziertes Abwägen geht dann wahrscheinlich eh nicht mehr.

Michael S hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 14:56 Dieser Ekel ist aber schwer zu fassen und der Hundehaufen wird nicht weniger eklig, selbst wenn ich da rein greifen würde ( hoffentlich kommt der Therapeut nicht auch noch auf diese Idee :o)

Sollte der Therapeut auf diese Idee kommen, würde ich ihn bitten, das vorzumachen ... :twisted:

Grüsse
Science
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michael_m
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von michael_m »

Michael S hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 14:56 Nochmal danke für eure Antworten.
Das mit dem richtigen Maß an Hygiene ist wirklich schwierig.

Ein Alkoholiker darf am Ende keinen Alkohol mehr trinken, aber ein Mensch mit Waschzwang muss natürlich auch weiterhin auf seine Hygiene achten.

Der Therapeut meinte, man müsse auch etwas über die Grenze gehen, bei den Expos. Aber persönlich finde ich so Sachen wie mit dem Kopftuch auch schon grenzwertig.

Mein Problem ist übrigens nicht die Angst vor Krankheiten, sondern ein starker Ekel vor Fäkalien und meine Phantasie sieht die überall...
Glaube, die Expos fielen mir leichter, wenn es die Angst vor Ansteckung wäre, da könnte ich mir sagen, daß der Zwang das größere Risiko für die Gesundheit darstellt. Dieser Ekel ist aber schwer zu fassen und der Hundehaufen wird nicht weniger eklig, selbst wenn ich da rein greifen würde ( hoffentlich kommt der Therapeut nicht auch noch auf diese Idee :o)
Genau, das richtige Maß ist schwierig mit einer Zwangserkrankung. Denn: Der Zwang sagt ja einem, wie schlimm alles mögliche wäre. Teilweise haben ja Betroffene gar kein Gefühl mehr, was eigentlich im angemessenen Rahmen ist.

Wichtig ist glaub ich auch der Unterschied zwischen Alltag und Expo. Natürlich wirst du im Alltag duschen, wenn du geschwitzt hast - wenn du sichtbar dreckige Hände hast etc. Aber im Rahmen einer Expo - wie der Therapeut auch meinte - sollte man schon bewusst etwas weiter gehen. Es soll ja genau eben eine Konfrontation mit der Situation sein.
Oder eben mit dem Kopftuch. Natürlich musst du jetzt nicht bei jeder Gelegenheit das Kopftuch auf den Boden werfen und drauftreten und wieder aufsetzen. Aber - im Rahmen einer Expo erscheint mir die Übung sinnvoll.

Wichtig ist da vielleicht auch im Hinterkopf zu behalten: Es geht nicht darum, den Ekel nicht zu erleben. Im Gegenteil, genau den willst du in den Expos ja spüren. Um eben zu erleben, dass er auch da sein darf, ohne dass du mit Zwangshandlungen darauf reagieren musst.
Das ist aber natürlich auch ein Prozess, der vor allem anfangs einschüchtern kann. Hier ist der Weg das Ziel!

Anfangs war ich etwas skeptisch bei deinem Therapeuten - aber scheinbar kennt er sich doch gar nicht so schlecht aus. Wünsche dir jedenfalls, dass du dich drauf einlassen und in der Therapie offen sein kannst. Falls dir eine Übung zu viel erscheint, sprich das an. Dann könnt ihr daran arbeiten, was noch fehlt etc.
Alles Gute dir!
Science
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von Science »

michael_m hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 15:59 Es geht nicht darum, den Ekel nicht zu erleben. Im Gegenteil, genau den willst du in den Expos ja spüren. Um eben zu erleben, dass er auch da sein darf, ohne dass du mit Zwangshandlungen darauf reagieren musst.

Ich glaube, das ist ein wichtiger Satz.
Es geht darum trotz der Emotionen Handlungsfreiheit zu bewahren.


Aber: Zu starke Emotionen und das vielleicht noch bei jeder Exposition, dann würde ich schauen, ob das nicht kontraproduktiv sein könnte.
Es gab da mal einen sogenannten Napalkov-Effekt, aber ich weiß nicht, ob der mittlerweile widerlegt wurde oder für Zwangserkrankungen gültig ist. Auch ob hier die Hebbsche Lernregel eine Rolle spielen könnte, weiß ich nicht genau.
Falls jemand diesbezüglich etwas weiß, wäre ich dankbar für eine Nachricht.

Grüsse
Science
Science
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von Science »

Michael S hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 14:56 Mein Problem ist übrigens nicht die Angst vor Krankheiten, sondern ein starker Ekel vor Fäkalien und meine Phantasie sieht die überall...
Als ich eben kurz recherchiert habe, ob der Ekel vor Fäkalien eher Zwängen oder Phobien zuzuordnen ist, habe ich zufällig das bei Hogrefe gefunden:

"Wie man ekelbezogene Störungen therapieren kann
23. Januar 2025
Im therapeutischen Kontext ist Ekel eine oft vernachlässigte Emotion, obwohl er bei vielen Störungen, wie z.B. Zwangsstörungen, Essstörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen eine entscheidende Rolle spielt. Prof. Dr. Jakob Fink-Lamotte und Prof. Dr. Cornelia Exner widmen sich in einem neuen Band der Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ dem Thema „Ekelbezogene Störungen“. Wir haben mit Ihnen über die Besonderheiten dieser Basisemotion, ihre Auswirkungen und Therapiemöglichkeiten bei pathologischem Ekel gesprochen."

(https://www.hogrefe.com/de/thema/wie-ma ... ieren-kann abgerufen am 21.Juni 2026)


Weiter unten wird dort eine neue Kombinationstechnik namens CRIM vorgestellt, die mir persönlich ganz gut gefallen hat.

Grüsse
Science
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michael_m
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von michael_m »

Science hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 17:48 Weiter unten wird dort eine neue Kombinationstechnik namens CRIM vorgestellt, die mir persönlich ganz gut gefallen hat.
Ich will keine weitere Diskussion hier im Forum aufmachen, aber... es gibt mit der S3-Leitlinie bereits eine gute Zusammenfassung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Die besten Erfolge liefert dabei die Exposition. Klar gibt es Personen, die von anderen Behandlungen vielleicht mehr profitieren. Aber man fängt doch erst mal mit dem an, was die größte Wahrscheinlichkeit hat, oder?
Science
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von Science »

michael_m hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 18:34
Science hat geschrieben: So 21. Jun 2026, 17:48 Weiter unten wird dort eine neue Kombinationstechnik namens CRIM vorgestellt, die mir persönlich ganz gut gefallen hat.
Ich will keine weitere Diskussion hier im Forum aufmachen, aber... es gibt mit der S3-Leitlinie bereits eine gute Zusammenfassung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Die besten Erfolge liefert dabei die Exposition. Klar gibt es Personen, die von anderen Behandlungen vielleicht mehr profitieren. Aber man fängt doch erst mal mit dem an, was die größte Wahrscheinlichkeit hat, oder?

Stimmt, ich habe mich hinreißen lassen, weil ich erfreut war, dass da wohl neue Entwicklungen ("Fortschritte in der Psychotherapie") im Gang sind.
Mein Beitrag ist vielleicht interessanter für die Betroffenen, denen die Therapie nach S3-Leitlinie nicht geholfen hat.
Der Beitrag kann gerne irgendwohin, wo er passender ist, verschoben werden.


Grüsse
Science


P.S.: Im von mir verlinkten Text habe ich es nicht so verstanden, dass die genannte Therapie des pathologischen Ekels die Expositon ersetzen soll, sondern ihr Ergebnis verbessern kann:

"Unbehandelter pathologischer Ekel kann psychische Störungen aufrechterhalten, wie z. B. Zwangsstörungen oder spezifische Phobien und kann die Lebensqualität reduzieren. Studien zeigen, dass eine explizite Bearbeitung des Ekels zu besseren Therapieergebnissen führt."

(https://www.hogrefe.com/de/thema/wie-ma ... ieren-kann)
Michael S
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von Michael S »

Hallo zusammen.
Aktuell bin ich zuhause bei 20 Minuten Duschzeit. Ich habe auch schon eine Stunde und mehr gebraucht. Wenn das so bleibt, bin ich erstmal zufrieden.

Seit gestern bin ich im Urlaub auf Teneriffa und da geht das Duschen noch ein bisschen schneller. Im Urlaub bin ich immer etwas lockerer drauf

Hier sind übrigens überall Expo Übungen für mich. An jeder Ecke lauern hier die Hundehaufen.
Wenn ich da jedes mal den Drang hätte, mir die Hände zu waschen, wenn ich daran vorbei laufe, dann wäre ich ja den ganzen Tag nur noch auf der Suche nach sauberen Waschbecken. :lol:
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michael_m
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von michael_m »

Das hört sich richtig gut an! Freut mich sehr für dich! :)

Das mit den Hundehaufen ist unschön, aber ich hoffe, du kannst trotzdem den Urlaub auch genießen.
Michael S
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Re: Grandios gescheitert

Beitrag von Michael S »

michael_m hat geschrieben: So 12. Jul 2026, 16:47 Das hört sich richtig gut an! Freut mich sehr für dich! :)

Das mit den Hundehaufen ist unschön, aber ich hoffe, du kannst trotzdem den Urlaub auch genießen.
Schön sind die Haufen nicht, aber ich habe hier keine Probleme damit, solange ich nicht versehentlich rein trete.
Ich kenne die Insel ja. Ich wusste also, was mich erwartet. :D
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