ich wollte mich auch einmal kurz vorstellen. Mein Name ist Björn, ich bin 44 Jahre alt und komme aus der Umgebung von Nürnberg.
Früher hätte ich wahrscheinlich immer gesagt: Ich habe halt einen kleinen Spleen. Ich wasche vielleicht ein bisschen zu oft meine Hände.
Heute weiß ich: Ich habe einen Waschzwang. Ich wasche mir bis zu 100-mal am Tag die Hände – bei so gut wie allem, was ich irgendwo anfasse. Und wenn kein Wasser und keine Seife zur Hand sind, kommt Desinfektionsmittel zum Einsatz.
Das habe ich vermutlich schon seit weit über 20 Jahren. Mir selbst war das aber lange Zeit gar nicht so bewusst.
In den letzten Jahren habe ich jedoch gemerkt, dass dieser Zwang immer mehr Zeit meines Lebens einnimmt. Nach und nach sind plötzlich immer mehr Dinge dazugekommen, die ich nicht mehr anfassen möchte – oder bei denen ich mir sofort die Hände waschen muss, wenn ich sie berühre.
Wenn ich heute noch den Kühlschrankgriff einfach anfassen kann, kann es sein, dass ich morgen schon wieder sofort die Hände waschen muss, wenn ich ihn berühre. Und so ist es über die Jahre immer mehr geworden. Inzwischen bin ich, wie gesagt, bei ungefähr 100-mal Händewaschen am Tag angekommen.
Mit der Geburt meiner Tochter hat sich das Thema noch einmal verstärkt. Und gerade jetzt, wo sie in ein Alter kommt (7), in dem sie vieles versteht und wahrnimmt, musste ich mich dem einfach stellen.
Sätze wie: „Papa, du wäschst ja schon wieder die Hände.“
Oder Situationen, in denen sie beim Waldspaziergang etwas findet und es mir voller Freude in die Hand drücken möchte – und ich dann fast schon aggressiv reagiere, nach dem Motto: „Du weißt doch, dass ich das nicht anfassen will.“ Und dann diese enttäuschten Augen zu sehen …
Das war unter anderem ein Grund, mich dem wirklich zu stellen.
Jetzt bin ich seit drei Wochen in Therapie.
Ich wollte einfach erst einmal Hallo sagen.